Archiv für Stühle & Co

Die Betonbank

Posted in Fotografie betextet with tags on 31. Januar 2011 by (S)

(S)

Gegossen aus Beton die Bank,
steht dort wo es nur selten gießt,
im diesig-warmen Steppensand
und wartet drauf, dass etwas sprießt.

Kein Halm umspielt die Beine ihr,
kein Blatt kriegt sie zu sehen,
sehr selten kommt ein Mensch hier her
und wenn, dann bleibt er stehen.

Nur dann und wann kommt für Metall
und Glas und Andres einer an,
der setzt sich seufzend hin und dann
harrt mit der alten Bank ein Mann.

(L)

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Das Sofa

Posted in Fotografie betextet with tags , on 22. September 2010 by (S)

(S)

Ein Sofa stand am Straßenrand,
der Gehweg war dort etwas schief,
und die Geschichte, wie es fand
den Weg dorthin, schreibt dieser Brief:

Ein König dereinst wutentbrannt
nach seiner besten Zofe rief,
und drohend hob er seine Hand,
da sie mit seiner Gattin schlief.

Er hatt’ es gestern erst erkannt,
als arglos er ins Zimmer lief
und beide auf dem Sofa fand,
entkleidet und entschlummert tief.

Nun hieß er packen allen Tand
der Zofe, auch den Digestif,
und auch das Sofa, weil er fand
es Schuld sei, da sie darauf schlief.

Die Zofe sich ihr Bündel band
und bat um Zuflucht beim Kalif,
der sanft regiert das Nachbarland.
Das Sofa, ach, das Sofa blieb.

Das Sofa steht am Straßenrand,
der Gehweg ist dort etwas schief,
und dieses Märchen einst erfand
ein Irrer, der vorüberlief.

(L)

Altes Paar am Eierstand

Posted in Fotografie betextet with tags , on 25. August 2010 by (S)


(S)

Im siebenundfünfzigsten Jahr ihrer Ehe
da kamen beim Einkauf sie sich in die Quere,

am Eierstand war es, da sagte er leise
er wolle die braunen – doch sie wollte weiße,

er stellte ihr Handtäschchen ab, als er seufzte,
sie dachte an morgen und wünscht‘ es wär heute,

die Zeit verrann träge und wollt‘ nicht versiegen,
so saßen sie lange und schauten und schwiegen,

und erst als es dunkelte, gingen sie heim
(er nahm auch ihr Täschchen, denn sie zog das Bein),

und über den Nachmittag sprachen sie nie,
sie dachten daran, doch sie wußten nicht wie.

(L)

Die Liebe in den Zeiten des 38. Breitengrades

Posted in Fotografie betextet with tags , , , on 2. August 2010 by (S)

(S)

Erinnerst du dich an dein früheres Leben,
in Grün und die Krone dem Himmel so nah?
Erinnerst du dich an das Zwitschern der Vögel,
und plötzlich was Neues: ein Schnaufen von Sägen.

Fabriken und Werke, ein Haus voller Möbel,
und dann in ein kleines, doch sieben am Tisch.
So ging’s eine Weile, dann heulten Sirenen,
ein Loch in der Decke, drei Jahre lang Not;
Die Kälte, das Feuer, und wir war’n ein Mittel,
die Kälte, das Feuer, sie ham uns verschont.

Und noch mehr Jahrzehnte, das Altern beständig,
kein Wuchs ohne Wurzeln, nun bald Staub und Sand.
So find ich dich wieder, und du erkennst in mir
die Birke, die einst zaghaft neben dir stand.

(L)

Der General

Posted in Fotografie betextet with tags , on 15. Juli 2010 by (S)

(S)

Beige getarnt und auf der Lauer
steht der Stuhl vor seiner Mauer
unter dreigestreiftem Wappen
aus drei aufgehängten Lappen.
Eine schwarzgerillte Matte
guckt herüber, hält die Klappe.

Stühlchens Pläne sind geschmiedet,
Territorien umfriedet,
und es wird ein Krieg geschehen,
wie kein Mensch ihn je gesehen:
Dieser Stuhl und diese Straße
werden kämpfen ohne Gnade.

Schon seit Jahren plant er dieses,
morgen früh, weiß er, geschieht es!
Wenn Fanfaren schrill erklingen,
wird die Schlacht alsdann beginnen,
bald schon wird manch Stein geworfen,
bald schon wird Asphalt geborsten.

Doch die schwarzgerillte Matte
ist ein Spitzel, ist ne Ratte,
will den Stuhl nun sabotieren,
ihm ein Beinchen amputieren,
nachts bei Nebel soll’s geschehen!
Ach – heut Nacht wird’s Regen geben.

(L)