Archiv für Sterben

Matsushima Bay

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 14. März 2011 by (L)

Im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang,
du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm.

Du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht.

Du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht.

Die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht,
im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang.

(L)

(S)

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Die Gräber

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 2. September 2010 by (L)

Zehn Plätze mit Steinen und zehn sind noch frei,
Dort bei der Kapelle, an der Sakristei;
Ganz oben am Hügel, die Sprüchlein stehn bei
Zehn Plätzen mit Steinen, und zehn sind noch frei.

Darunter im Tale, die Menschen sie zagen
Beim Anblick des Kirchleins dort oben so weiß,
Und wenn einer hinscheidet geht laut ihr Klagen
im Sommer, im Winter, ob kalt oder heiß.

Zehn Plätze mit Steinen und zehn sind noch frei,
Den Würmern im Erdreich ist’s sowas von wurscht.

(L)

[In Gedenken an Ludwig Uhland: Die Kapelle]

(S)

Frühling im Harz

Posted in Gedicht bebildert with tags , , , on 24. Juli 2010 by (L)

Entlang der alten Grenze Mohn,
der graue Berg schaut stumm ins Tal,
erinnert sich, wie einst hier stand,
ein Sohn, ein Vater, Hand in Hand.

Entlang der Grenze Stacheldraht,
verlief hier damals voller Hohn,
und teilte quer das ganze Land;
davor ein Vater und sein Sohn;

Und diese zwei, sie wagen sich
zur Freiheit, die von drüben spricht,
bei Nacht und Nebel ohne Sicht,
die Grenzsoldaten schlafen nicht;

Das Herz schlägt laut und hoch im Hals
doch nur die Schritte hallen leis,
da dröhnt ein Schuß aus tiefster Ruhe,
die kleine Hand verliert die große,

als die Kugel streift den Jungen
und er stolpert, fällt nach vorn,
Stacheldraht dringt in den Körper
Stacheln werden
rot und
warm.

Und täglich schaut der Berg hinab,
in Frühlingsnächten ist es still,
und dann erinnert an den Sohn
entlang der alten Grenze Mohn.

(L)

(S)