Archiv für Pflanzen

Melissenkissen

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 6. Dezember 2010 by (L)

Melissen-Kissen!
Du duftig-duftendes Melissen-Kissen!

Seit ich dich sah – da, wo du lagst nur da,
daß ich wußte, ich wußte ich mußte,
dich, du duft-duftend duftigstes aller Dufteln,
ich mußte dich kisseln.
Dich, dich dichtelstes dußtelstes, duftelndstes Kissen,
voller Melissen mußte ich dich kisseln!

Denn ich sah – ich saß da und sah nur da,
daß du da, da wo du da lagst,
saßt und kisselstest.
Und dieses dein Kisseln war so melissern,
so melissern dein Kissen vergißt und vermißt,
von mir, als ich fort war, hinfort gar,
nur dich sah, vergar,
in Träumen voll räumendem Duften, dich sah.

Ich weiß, wie heiß deine Melissen,
ich reiß wie weiß dein Kissen,
denn so melissiglich, so kissiglich
kannst nur du sein.
Und darum lisse ich dich,
misse mich nicht,
denn du, so melissiglich, sollst kisseln,
nicht misseln – nur melissern,
kissern, immerdar.

Ganz melissern bleibt das Melissen,
tief in mir, tief drin mir versisselt,
dieses Kisseln.
Du mein Melissen-Kissen.

(L)

(S)

Mauerblümchen

Posted in Fotografie betextet with tags , , on 26. November 2010 by (S)

(S)

Und wieso schreibt keiner der Dichtenden
über das Mauerwerk selber? –
Das Blümchen gehört zu den Wichtigen,
das Blümchen ist schließlich auch gelber.

Die Mauer ist nur seine Trägersubstanz,
beim Blümchen will Lyrik verweilen,
der Mauer, der wünschen wir Vollredundanz,
steht sie uns doch nur für das Teilen.

Zwar ist sie uns manchmal als Einbruchsschutz recht,
doch Einbruchsgedanken sind hässlich,
drum macht diese Assoziation sie nur schlecht;
der blumige Reiz ist verlässlich.

Doch bald eines Tages, ich sag’s euch voraus,
da schwillt in den Mauern die Rache,
dann stürmen sie auf uns mit Tosen und Graus,
von Dichtern bleibt nur eine Lache.

Dann trampeln sie weiter, verwüsten mit Hohn,
auf lächerlich steinernen Füßchen;
Ach, wenn es so weit ist, so wünsche ich wohl,
die Mauern sie trügen dann Blümchen.

(L)

Mein kleiner Heuschnupfen

Posted in Gedicht bebildert with tags , , , on 18. Juli 2010 by (L)

Pollen im Garten,
so tausend Arten
von Birke, Hasel und auch Nessel.
Und ich bin heute
die beste Beute:
sie lassen meine Nase nässen!

Es tränen mir die Augen,
es kratzt in meinem Hals,
hollari, hollari, hollaro.
Ich will so gern nach draußen,
ich kann nicht aus dem Haus,
hollari, hollari, hollaro.
Und wenn ich’s mal versuche, dann kommt sogleich die Buche
und macht mit ihrem Blütenstaube Hausbesuche!
Es tränen mir die Augen,
es kratzt in meinem Hals,
hollari, hollari, hollaro!

Anti’stamine
verweigern Dienste
und wirken bei mir nicht die Bohne.
Ich weiß nicht weiter,
das ist nicht heiter,
denn jeder weiß: es geht nicht ohne!

Es tränen mir die Augen,
es kratzt in meinem Hals,
hollari, hollari, hollaro.
Ich will so gern nach draußen,
ich kann nicht aus dem Haus,
hollari, hollari, hollaro.
Und wenn ich’s mal versuche, dann kommt sogleich die Buche
und macht mit ihrem Blütenstaube Hausbesuche!
Es tränen mir die Augen,
es kratzt in meinem Hals,
hollari, hollari, hollaro!

Desensibili-
sierung? – Nicht billig,
doch ich werde es jetzt versuchen.
Was bleibt mir übrig,
ich bin ganz fiebrig,
mein Arzt soll den Betrag abbuchen.

Nun quellen meine Augen,
es schwillt mir auch der Hals,
hollari, hollari, hollaro.
Der Arzt gab mir ne Spritze,
bald ist es mit mir aus,
hollari, hollari, hollaro.
Ich reagier – und wie! – auf Immuntherapie,
ich würd’ viel lieber sterben an ’ner Pneumonie!
Kein Licht erreicht die Augen,
null Luft passiert den Hals,
hollari, hollari, hollaro!

(L)

[In Erinnerung an die Comedian Harmonists: Mein kleiner grüner Kaktus]

(S)