Archiv für Liebe

Frühjahrsvergesslichkeit

Posted in Gedicht bebildert with tags on 26. April 2011 by (L)

Wenn du nicht dabei bist,
habe ich ständig das Gefühl,
etwas zu Hause vergessen zu haben.

Wenn du dabei bist,
vergesse ich meine Zahnbürste,
meinen Geldbeutel und die Welt um mich herum.

(L)

(S)

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Liste

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 14. Februar 2011 by (L)

Dinge von dir, die ich hier bei mir fand:
Ein Tupper, ein Kochbuch, ein Fleck an der Wand,
zwei Socken, nicht passend, daran etwas Sand,
ein Haar in der Dusche, das duschend verschwand.

Drei Reißzwecken und ein Notizblock, liniert,
Radiergummi der nicht radiert, nur verschmiert,
’ne Anzeige: „Zimmer vermietbar, möbliert“
ein Loch in der Decke, nur dürftig kaschiert.

Ein einzelnes Blatt vom Kalender: der März,
ein Stück Schokolade in Form von ’nem Herz
und Staub in den Fugen, das Saugen macht Lärm,
das Herz ist aus Vollmilch, die hab ich nicht gern.

(L)

(S)

Melissenkissen

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 6. Dezember 2010 by (L)

Melissen-Kissen!
Du duftig-duftendes Melissen-Kissen!

Seit ich dich sah – da, wo du lagst nur da,
daß ich wußte, ich wußte ich mußte,
dich, du duft-duftend duftigstes aller Dufteln,
ich mußte dich kisseln.
Dich, dich dichtelstes dußtelstes, duftelndstes Kissen,
voller Melissen mußte ich dich kisseln!

Denn ich sah – ich saß da und sah nur da,
daß du da, da wo du da lagst,
saßt und kisselstest.
Und dieses dein Kisseln war so melissern,
so melissern dein Kissen vergißt und vermißt,
von mir, als ich fort war, hinfort gar,
nur dich sah, vergar,
in Träumen voll räumendem Duften, dich sah.

Ich weiß, wie heiß deine Melissen,
ich reiß wie weiß dein Kissen,
denn so melissiglich, so kissiglich
kannst nur du sein.
Und darum lisse ich dich,
misse mich nicht,
denn du, so melissiglich, sollst kisseln,
nicht misseln – nur melissern,
kissern, immerdar.

Ganz melissern bleibt das Melissen,
tief in mir, tief drin mir versisselt,
dieses Kisseln.
Du mein Melissen-Kissen.

(L)

(S)

Drei Limericks für die Erdbeerprinzessin

Posted in Fotografie betextet with tags , , on 6. November 2010 by (S)


(S)

Die Erdbeerprinzessin von Incheon
ward vom König gekrönt mit nem Krönchen.
Alle liebten sie sehr,
doch der Kopf ward ihr schwer
als im Krönchen verfing sich ihr Föhnchen.

~

Die Erdbeerenpuppen von Masan,
die steckten im Spielautomaten;
der war wie ne Festung,
sie hofften auf Rettung,
durch nen Erdbeerenpflücker mit Spaten.

~

Ein Erdbeerenpflücker aus Dangjin
der liebte die Erdbeerprinzessin,
drum befreite er ihr
im Masan-Revier
alle Erdbeerenpuppen per Tastsinn.

(L)

Ode an die Geräusche der Nacht

Posted in Gedicht bebildert with tags on 9. September 2010 by (L)

Wie ein unendlich bedächtig
Metronom ist mir im Dunkeln
dein so gleichmäßiger Atem,
der die Nacht mir stetig einteilt
in die Einheit deiner Lunge,
der mein eignes Atmen nun auch
mit sich fortträgt, eng verschlungen;

Draußen hängt ein Sommerregen,
Fäden, bis zum Himmel reichend,
rauschen auf die Dächer nieder,
die die Tropfen von sich schütteln,
welche dann zur Erde stürzen,
schließlich Grund und Erdreich tränken,
pausenlos im Gulli glucksen,
sich im Wasser nass versenken;

Und das Metronom schlägt weiter,
ein und aus, und längst wo anders,
weiß ich, bist du in den Träumen,
während hier der Sommerregen
monoton den Chor zu deinem
Atem bildet, dem ich lausche,
halb im Traum nun, wir in einem.

(L)

(S)

Die Liebe in den Zeiten des 38. Breitengrades

Posted in Fotografie betextet with tags , , , on 2. August 2010 by (S)

(S)

Erinnerst du dich an dein früheres Leben,
in Grün und die Krone dem Himmel so nah?
Erinnerst du dich an das Zwitschern der Vögel,
und plötzlich was Neues: ein Schnaufen von Sägen.

Fabriken und Werke, ein Haus voller Möbel,
und dann in ein kleines, doch sieben am Tisch.
So ging’s eine Weile, dann heulten Sirenen,
ein Loch in der Decke, drei Jahre lang Not;
Die Kälte, das Feuer, und wir war’n ein Mittel,
die Kälte, das Feuer, sie ham uns verschont.

Und noch mehr Jahrzehnte, das Altern beständig,
kein Wuchs ohne Wurzeln, nun bald Staub und Sand.
So find ich dich wieder, und du erkennst in mir
die Birke, die einst zaghaft neben dir stand.

(L)