Archiv für Krieg

Frühling im Harz

Posted in Gedicht bebildert with tags , , , on 24. Juli 2010 by (L)

Entlang der alten Grenze Mohn,
der graue Berg schaut stumm ins Tal,
erinnert sich, wie einst hier stand,
ein Sohn, ein Vater, Hand in Hand.

Entlang der Grenze Stacheldraht,
verlief hier damals voller Hohn,
und teilte quer das ganze Land;
davor ein Vater und sein Sohn;

Und diese zwei, sie wagen sich
zur Freiheit, die von drüben spricht,
bei Nacht und Nebel ohne Sicht,
die Grenzsoldaten schlafen nicht;

Das Herz schlägt laut und hoch im Hals
doch nur die Schritte hallen leis,
da dröhnt ein Schuß aus tiefster Ruhe,
die kleine Hand verliert die große,

als die Kugel streift den Jungen
und er stolpert, fällt nach vorn,
Stacheldraht dringt in den Körper
Stacheln werden
rot und
warm.

Und täglich schaut der Berg hinab,
in Frühlingsnächten ist es still,
und dann erinnert an den Sohn
entlang der alten Grenze Mohn.

(L)

(S)

Der General

Posted in Fotografie betextet with tags , on 15. Juli 2010 by (S)

(S)

Beige getarnt und auf der Lauer
steht der Stuhl vor seiner Mauer
unter dreigestreiftem Wappen
aus drei aufgehängten Lappen.
Eine schwarzgerillte Matte
guckt herüber, hält die Klappe.

Stühlchens Pläne sind geschmiedet,
Territorien umfriedet,
und es wird ein Krieg geschehen,
wie kein Mensch ihn je gesehen:
Dieser Stuhl und diese Straße
werden kämpfen ohne Gnade.

Schon seit Jahren plant er dieses,
morgen früh, weiß er, geschieht es!
Wenn Fanfaren schrill erklingen,
wird die Schlacht alsdann beginnen,
bald schon wird manch Stein geworfen,
bald schon wird Asphalt geborsten.

Doch die schwarzgerillte Matte
ist ein Spitzel, ist ne Ratte,
will den Stuhl nun sabotieren,
ihm ein Beinchen amputieren,
nachts bei Nebel soll’s geschehen!
Ach – heut Nacht wird’s Regen geben.

(L)