Archiv für Gewalt

Eine Welt ohne Kaffee oder Kapern

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 19. Januar 2011 by (L)

Die Uhr zeigt kurz vor zwölf, die Sonne brennt,
die Straße staubt und Buschwerk rollt hindurch,
der Zug fährt ein, heraus steigt – man erkennt’s –
ein Kaffeepflänzchen, und es steigt die Furcht,

der Kapernstrauch ist auch schon lange da
und wer zuerst zieht, ist noch längst nicht klar,
doch dass die Stadt zu klein für beide ist,
das wissen sie, und lang schon gärt der Zwist,

ein Schuss erklingt! ich wache auf und wank
im Halbschlaf in die Küche, find im Schrank
den Kaffee und auch Kapern; gottseidank.

(L)

(S)

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Das Triebwagen-Mietfahrer-Liebhaber-Massaker

Posted in Fotografie betextet with tags , , , on 27. Oktober 2010 by (S)

(S)

Ein Triebwagen-Mietfahrer
traf seinen Liebhaber
in einem Sieblager
heimlich bei Nacht.

Der Sieblager-Inhaber,
der diesen Mietfahrer
selber sehr lieb hatte,
ward nicht bedacht:

Der wütende Triebhaber
hieb auf den Liebhaber,
bis alle Mietfahrer
schließlich erwacht;

Bald schrien im Sieblager
Fahrer und Liebhaber,
fiepten auch Triebwagen,
laut war die Schlacht.

Drum wenn dich ein Mietfahrer
anzüglich anlacht,
so denk an des Liebhabers
Schrei in der Nacht.

(L)

Selbst-Justiz

Posted in Gedicht bebildert with tags , , , on 13. August 2010 by (L)

Und so kommen wir drei Schwestern
heut zusammen, dir zu sagen
deine Zukunft und dein Schicksal
in den nächsten beiden Tagen:

Morgen früh wirst du erscheinen
vor dem Richter und den seinen,
doch dann lassen sie dich ziehen,
überzeugt von deiner Unschuld.

Denn Gutachten sind geschmiert
und die Zeugin demontiert:
sie sei auf Erpressung aus,
sei kein Opfer, sei ein Biest.

Morgen Abend wird gefeiert,
deine Unschuld, deine Freiheit,
und kein Mensch weiß von der Reinheit
dieser Lüge, dieser Falschheit…

Schwarze Asche deiner Seele,
weißer Kalk deiner Gebeine;
Ohne Rast und ohne Eile
sind wir drei dir auf den Fersen…

Übermorgen wirst du wachen
mit dem kalten Hauch im Nacken
den zehntausend leidend Frauen
einst in dem Moment geatmet.

Ihre Qual wird so zu deiner,
grelle Augenblicksgedanken
jagen durch dich zu den Taten
die ein Mann jemals begangen:

Judith fleht leis’ um Erbarmen,
Sarahs Blut an ihren Schenkeln,
Clara schützt in ihren Armen
ihre Kinder vor dem Schlag.

Jeden Teil deines Verstandes
werden wir drei Schwestern tilgen;
Horch nun auf, da sind die Stimmen,
schwarzer Angst und weißen Rauschens:

Dann sind ihre Schreie deine,
und ein gellend Meer erfasst dich,
und die Welle reißt dich mit sich
bis du an die Klippen schlägst.

(L)

(L)

Frühling im Harz

Posted in Gedicht bebildert with tags , , , on 24. Juli 2010 by (L)

Entlang der alten Grenze Mohn,
der graue Berg schaut stumm ins Tal,
erinnert sich, wie einst hier stand,
ein Sohn, ein Vater, Hand in Hand.

Entlang der Grenze Stacheldraht,
verlief hier damals voller Hohn,
und teilte quer das ganze Land;
davor ein Vater und sein Sohn;

Und diese zwei, sie wagen sich
zur Freiheit, die von drüben spricht,
bei Nacht und Nebel ohne Sicht,
die Grenzsoldaten schlafen nicht;

Das Herz schlägt laut und hoch im Hals
doch nur die Schritte hallen leis,
da dröhnt ein Schuß aus tiefster Ruhe,
die kleine Hand verliert die große,

als die Kugel streift den Jungen
und er stolpert, fällt nach vorn,
Stacheldraht dringt in den Körper
Stacheln werden
rot und
warm.

Und täglich schaut der Berg hinab,
in Frühlingsnächten ist es still,
und dann erinnert an den Sohn
entlang der alten Grenze Mohn.

(L)

(S)