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Weihnachten

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 24. Dezember 2010 by (L)

Es blaut die Nacht, der Schnee fällt sanft,
mein Opa gibt mir lasch die Hand.
Wir sind drei Stunden hergefahren,
man merkt’s an Brüderchens Gebahren,
ganz dringend muss er jetzt auf’s Klo,
wo Oma sitzt, allein und froh.

Dort singt sie leise Weihnachtslieder,
dem Bruder zappeln schon die Glieder,
es hilft kein Klopfen und kein Rufen,
Papa nimmt Anlauf auf den Stufen
und tritt beherzt die Klotür ein,
von Oma kommt ein spitzes Schrei’n.

Und in der Stube, auf dem Sofa
starrt auf den dunklen Bildschirm Opa.
Ich helfe Mutter, decke Teller,
der Schnee im Garten fällt nun schneller,
und durch die Ritzen dringt ein Brausen,
Mama hat schon den Cognac draußen.

Papa heizt jetzt den Ofen vor
und schiebt die ganze Gans ins Rohr,
als Oma humpelt in die Küche
– die Hose hängt noch um die Knöchel –
und Opa knipst die Glotze an,
und Mutter setzt die Flasche an,

und Oma stolpert auf mich zu,
ich reiß die Messer weg im nu,
schlitz dabei Vaters Ärmel auf,
der brüllt, fasst auf den Ofen drauf,
die Glotze jault und Vater schreit,
die Nacht ist schön und ach… es schneit…

Zwei Stunden später ist’s, wir fahr’n,
mein Vater hält sich stumm den Arm,
im Fond schnarcht Mutter unter Rausch,
mein Bruder weint und schläft dann auch,
ich fahr uns sicher durch den Wald,
den Führerschein, den mach ich bald.

(L)

(S)