Eine Welt ohne Kaffee oder Kapern

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 19. Januar 2011 by (L)

Die Uhr zeigt kurz vor zwölf, die Sonne brennt,
die Straße staubt und Buschwerk rollt hindurch,
der Zug fährt ein, heraus steigt – man erkennt’s –
ein Kaffeepflänzchen, und es steigt die Furcht,

der Kapernstrauch ist auch schon lange da
und wer zuerst zieht, ist noch längst nicht klar,
doch dass die Stadt zu klein für beide ist,
das wissen sie, und lang schon gärt der Zwist,

ein Schuss erklingt! ich wache auf und wank
im Halbschlaf in die Küche, find im Schrank
den Kaffee und auch Kapern; gottseidank.

(L)

(S)

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Die Küstenkatzenfee

Posted in Fotografie betextet with tags , on 14. Januar 2011 by (S)

(S)

Am Hafen wohnt die Katzenfee,
die hat zwei Flügel, klein und weiß,
springt hoch und weit, ganz wie ein Reh,
und pupst auch Sternchen noch im Kreis.

Die Küstenkatzen kennen sie
und beten zu ihr Tag und Nacht
denn diese Katzenfee ist die,
die zaubert frischen Fisches Fracht.

Jedoch ist sie nur rar zu sehn,
die Katzenfee, so gelb und weiß,
hängt lieber mit den andren Feen,
und baut den ganzen Tag nur Scheiß.

(L)

Weihnachten

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 24. Dezember 2010 by (L)

Es blaut die Nacht, der Schnee fällt sanft,
mein Opa gibt mir lasch die Hand.
Wir sind drei Stunden hergefahren,
man merkt’s an Brüderchens Gebahren,
ganz dringend muss er jetzt auf’s Klo,
wo Oma sitzt, allein und froh.

Dort singt sie leise Weihnachtslieder,
dem Bruder zappeln schon die Glieder,
es hilft kein Klopfen und kein Rufen,
Papa nimmt Anlauf auf den Stufen
und tritt beherzt die Klotür ein,
von Oma kommt ein spitzes Schrei’n.

Und in der Stube, auf dem Sofa
starrt auf den dunklen Bildschirm Opa.
Ich helfe Mutter, decke Teller,
der Schnee im Garten fällt nun schneller,
und durch die Ritzen dringt ein Brausen,
Mama hat schon den Cognac draußen.

Papa heizt jetzt den Ofen vor
und schiebt die ganze Gans ins Rohr,
als Oma humpelt in die Küche
– die Hose hängt noch um die Knöchel –
und Opa knipst die Glotze an,
und Mutter setzt die Flasche an,

und Oma stolpert auf mich zu,
ich reiß die Messer weg im nu,
schlitz dabei Vaters Ärmel auf,
der brüllt, fasst auf den Ofen drauf,
die Glotze jault und Vater schreit,
die Nacht ist schön und ach… es schneit…

Zwei Stunden später ist’s, wir fahr’n,
mein Vater hält sich stumm den Arm,
im Fond schnarcht Mutter unter Rausch,
mein Bruder weint und schläft dann auch,
ich fahr uns sicher durch den Wald,
den Führerschein, den mach ich bald.

(L)

(S)

Gulligesichter

Posted in Bildergeschichte on 16. Dezember 2010 by (S)

Japanische Gullideckel(S)

Melissenkissen

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 6. Dezember 2010 by (L)

Melissen-Kissen!
Du duftig-duftendes Melissen-Kissen!

Seit ich dich sah – da, wo du lagst nur da,
daß ich wußte, ich wußte ich mußte,
dich, du duft-duftend duftigstes aller Dufteln,
ich mußte dich kisseln.
Dich, dich dichtelstes dußtelstes, duftelndstes Kissen,
voller Melissen mußte ich dich kisseln!

Denn ich sah – ich saß da und sah nur da,
daß du da, da wo du da lagst,
saßt und kisselstest.
Und dieses dein Kisseln war so melissern,
so melissern dein Kissen vergißt und vermißt,
von mir, als ich fort war, hinfort gar,
nur dich sah, vergar,
in Träumen voll räumendem Duften, dich sah.

Ich weiß, wie heiß deine Melissen,
ich reiß wie weiß dein Kissen,
denn so melissiglich, so kissiglich
kannst nur du sein.
Und darum lisse ich dich,
misse mich nicht,
denn du, so melissiglich, sollst kisseln,
nicht misseln – nur melissern,
kissern, immerdar.

Ganz melissern bleibt das Melissen,
tief in mir, tief drin mir versisselt,
dieses Kisseln.
Du mein Melissen-Kissen.

(L)

(S)

Mauerblümchen

Posted in Fotografie betextet with tags , , on 26. November 2010 by (S)

(S)

Und wieso schreibt keiner der Dichtenden
über das Mauerwerk selber? –
Das Blümchen gehört zu den Wichtigen,
das Blümchen ist schließlich auch gelber.

Die Mauer ist nur seine Trägersubstanz,
beim Blümchen will Lyrik verweilen,
der Mauer, der wünschen wir Vollredundanz,
steht sie uns doch nur für das Teilen.

Zwar ist sie uns manchmal als Einbruchsschutz recht,
doch Einbruchsgedanken sind hässlich,
drum macht diese Assoziation sie nur schlecht;
der blumige Reiz ist verlässlich.

Doch bald eines Tages, ich sag’s euch voraus,
da schwillt in den Mauern die Rache,
dann stürmen sie auf uns mit Tosen und Graus,
von Dichtern bleibt nur eine Lache.

Dann trampeln sie weiter, verwüsten mit Hohn,
auf lächerlich steinernen Füßchen;
Ach, wenn es so weit ist, so wünsche ich wohl,
die Mauern sie trügen dann Blümchen.

(L)

Herbstromantik

Posted in Fotografie betextet with tags on 22. November 2010 by (L)

Die letzten Blätterschaaren erheben
sich von den klammen Ästen und schweben
gen Süden, den Zugvögeln nach.

Und dürre Laubfamilien fegen
auf dunklen Straßen, huschen auf Wegen,
zur Nacht zwischen Feld und Asphalt.

Die Abendsonnenstrahlen nun weben
ein Netz durch Zweige, Wind läßt sie beben;
Ach, mir ist im Herbst einfach kalt.

(L)

(S)