Archive for the Gedicht bebildert Category

Frühjahrsvergesslichkeit

Posted in Gedicht bebildert with tags on 26. April 2011 by (L)

Wenn du nicht dabei bist,
habe ich ständig das Gefühl,
etwas zu Hause vergessen zu haben.

Wenn du dabei bist,
vergesse ich meine Zahnbürste,
meinen Geldbeutel und die Welt um mich herum.

(L)

(S)

Alter und Einsicht

Posted in Gedicht bebildert with tags on 3. April 2011 by (L)

Ich werde langsam zum Autisten,
von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr,
verfasse täglich Einkaufslisten
und diese gleichen sich schon sehr:

Von Uncle Ben’s den Langkorn-Reis,
und Erbsen, Möhren, tiefgekühlt,
als Nachtisch dann Fürst-Pückler-Eis
sind auf der Liste aufgeführt.

Nun weiß ich nämlich, was ich will
und weiß vor allem, was ich mag:
nur Wasser ohne Sprudel, still,
mit ’nem Kakao beginnt mein Tag.

Ich seh’s nicht ein, mich zu genieren,
– vier Löffel Nesquick, halbbedeckt –
warum sollt ich noch ausprobieren,
wenn ich nun weiß was mir gut schmeckt.

Mag meine Handtücher gern kratzig,
ganz ohne all das Weichspülzeug,
wenn man nicht zuhört, werd’ ich patzig,
ich mag kein lautes Kirchgeläut.

Ich höre gerne Weihnachtslieder,
und zwar September bis August,
dann spielt George Michael immer wieder,
mich juckt auch nicht der Nachbarn Frust.

Verspotte ich nun die Autisten?
Ach, wer von uns ist schon normal.
Ich schleppe stille Wasserkisten
und wie man’s nennt ist doch egal.

(L)

Spielhölle in Sendai, Japan(S)

Matsushima Bay

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 14. März 2011 by (L)

Im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang,
du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm.

Du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht.

Du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht.

Die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht,
im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang.

(L)

(S)

Liste

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 14. Februar 2011 by (L)

Dinge von dir, die ich hier bei mir fand:
Ein Tupper, ein Kochbuch, ein Fleck an der Wand,
zwei Socken, nicht passend, daran etwas Sand,
ein Haar in der Dusche, das duschend verschwand.

Drei Reißzwecken und ein Notizblock, liniert,
Radiergummi der nicht radiert, nur verschmiert,
’ne Anzeige: „Zimmer vermietbar, möbliert“
ein Loch in der Decke, nur dürftig kaschiert.

Ein einzelnes Blatt vom Kalender: der März,
ein Stück Schokolade in Form von ’nem Herz
und Staub in den Fugen, das Saugen macht Lärm,
das Herz ist aus Vollmilch, die hab ich nicht gern.

(L)

(S)

Eine Welt ohne Kaffee oder Kapern

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 19. Januar 2011 by (L)

Die Uhr zeigt kurz vor zwölf, die Sonne brennt,
die Straße staubt und Buschwerk rollt hindurch,
der Zug fährt ein, heraus steigt – man erkennt’s –
ein Kaffeepflänzchen, und es steigt die Furcht,

der Kapernstrauch ist auch schon lange da
und wer zuerst zieht, ist noch längst nicht klar,
doch dass die Stadt zu klein für beide ist,
das wissen sie, und lang schon gärt der Zwist,

ein Schuss erklingt! ich wache auf und wank
im Halbschlaf in die Küche, find im Schrank
den Kaffee und auch Kapern; gottseidank.

(L)

(S)

Weihnachten

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 24. Dezember 2010 by (L)

Es blaut die Nacht, der Schnee fällt sanft,
mein Opa gibt mir lasch die Hand.
Wir sind drei Stunden hergefahren,
man merkt’s an Brüderchens Gebahren,
ganz dringend muss er jetzt auf’s Klo,
wo Oma sitzt, allein und froh.

Dort singt sie leise Weihnachtslieder,
dem Bruder zappeln schon die Glieder,
es hilft kein Klopfen und kein Rufen,
Papa nimmt Anlauf auf den Stufen
und tritt beherzt die Klotür ein,
von Oma kommt ein spitzes Schrei’n.

Und in der Stube, auf dem Sofa
starrt auf den dunklen Bildschirm Opa.
Ich helfe Mutter, decke Teller,
der Schnee im Garten fällt nun schneller,
und durch die Ritzen dringt ein Brausen,
Mama hat schon den Cognac draußen.

Papa heizt jetzt den Ofen vor
und schiebt die ganze Gans ins Rohr,
als Oma humpelt in die Küche
– die Hose hängt noch um die Knöchel –
und Opa knipst die Glotze an,
und Mutter setzt die Flasche an,

und Oma stolpert auf mich zu,
ich reiß die Messer weg im nu,
schlitz dabei Vaters Ärmel auf,
der brüllt, fasst auf den Ofen drauf,
die Glotze jault und Vater schreit,
die Nacht ist schön und ach… es schneit…

Zwei Stunden später ist’s, wir fahr’n,
mein Vater hält sich stumm den Arm,
im Fond schnarcht Mutter unter Rausch,
mein Bruder weint und schläft dann auch,
ich fahr uns sicher durch den Wald,
den Führerschein, den mach ich bald.

(L)

(S)

Melissenkissen

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 6. Dezember 2010 by (L)

Melissen-Kissen!
Du duftig-duftendes Melissen-Kissen!

Seit ich dich sah – da, wo du lagst nur da,
daß ich wußte, ich wußte ich mußte,
dich, du duft-duftend duftigstes aller Dufteln,
ich mußte dich kisseln.
Dich, dich dichtelstes dußtelstes, duftelndstes Kissen,
voller Melissen mußte ich dich kisseln!

Denn ich sah – ich saß da und sah nur da,
daß du da, da wo du da lagst,
saßt und kisselstest.
Und dieses dein Kisseln war so melissern,
so melissern dein Kissen vergißt und vermißt,
von mir, als ich fort war, hinfort gar,
nur dich sah, vergar,
in Träumen voll räumendem Duften, dich sah.

Ich weiß, wie heiß deine Melissen,
ich reiß wie weiß dein Kissen,
denn so melissiglich, so kissiglich
kannst nur du sein.
Und darum lisse ich dich,
misse mich nicht,
denn du, so melissiglich, sollst kisseln,
nicht misseln – nur melissern,
kissern, immerdar.

Ganz melissern bleibt das Melissen,
tief in mir, tief drin mir versisselt,
dieses Kisseln.
Du mein Melissen-Kissen.

(L)

(S)