Alter und Einsicht

Ich werde langsam zum Autisten,
von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr,
verfasse täglich Einkaufslisten
und diese gleichen sich schon sehr:

Von Uncle Ben’s den Langkorn-Reis,
und Erbsen, Möhren, tiefgekühlt,
als Nachtisch dann Fürst-Pückler-Eis
sind auf der Liste aufgeführt.

Nun weiß ich nämlich, was ich will
und weiß vor allem, was ich mag:
nur Wasser ohne Sprudel, still,
mit ’nem Kakao beginnt mein Tag.

Ich seh’s nicht ein, mich zu genieren,
– vier Löffel Nesquick, halbbedeckt –
warum sollt ich noch ausprobieren,
wenn ich nun weiß was mir gut schmeckt.

Mag meine Handtücher gern kratzig,
ganz ohne all das Weichspülzeug,
wenn man nicht zuhört, werd’ ich patzig,
ich mag kein lautes Kirchgeläut.

Ich höre gerne Weihnachtslieder,
und zwar September bis August,
dann spielt George Michael immer wieder,
mich juckt auch nicht der Nachbarn Frust.

Verspotte ich nun die Autisten?
Ach, wer von uns ist schon normal.
Ich schleppe stille Wasserkisten
und wie man’s nennt ist doch egal.

(L)

Spielhölle in Sendai, Japan(S)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: