Frühjahrsvergesslichkeit

Posted in Gedicht bebildert with tags on 26. April 2011 by (L)

Wenn du nicht dabei bist,
habe ich ständig das Gefühl,
etwas zu Hause vergessen zu haben.

Wenn du dabei bist,
vergesse ich meine Zahnbürste,
meinen Geldbeutel und die Welt um mich herum.

(L)

(S)

Doppelgängerkiez

Posted in Fotografie betextet with tags on 14. April 2011 by (S)

(S)

Mein Nachbar von oben,
das ist Mister Bean,
die Straße hinunter
da wohnt dann die Queen;

Im Haus gegenüber
– das glaubt ihr mir nie –
lebt mit allen Kindern
die schöne Jolie.

Doch niemandem außer nur mir fällt das auf,
und auch Paparazzies, die bleiben hier aus.

Die Ähnlichkeit ist so
frappierend und klar,
wie könnt ihr das leugnen,
es ist nunmal wahr.

Auch Elvis hat drüben
’ne Wohnung für sich,
sein Collie, die Lassie,
beißt Postboten nicht.

Doch niemandem außer nur mir fällt das auf,
und auch Paparazzies, die bleiben hier aus.

Nur eines – ich weiß nicht,
wie kann das nur sein –
ich schau in den Spiegel
und seh es gleich ein:

Das ist nicht die Hepburn,
und nicht Kristen Bell…
Das Licht hier im Bad,
das ist einfach zu grell.

(L)

Alter und Einsicht

Posted in Gedicht bebildert with tags on 3. April 2011 by (L)

Ich werde langsam zum Autisten,
von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr,
verfasse täglich Einkaufslisten
und diese gleichen sich schon sehr:

Von Uncle Ben’s den Langkorn-Reis,
und Erbsen, Möhren, tiefgekühlt,
als Nachtisch dann Fürst-Pückler-Eis
sind auf der Liste aufgeführt.

Nun weiß ich nämlich, was ich will
und weiß vor allem, was ich mag:
nur Wasser ohne Sprudel, still,
mit ’nem Kakao beginnt mein Tag.

Ich seh’s nicht ein, mich zu genieren,
– vier Löffel Nesquick, halbbedeckt –
warum sollt ich noch ausprobieren,
wenn ich nun weiß was mir gut schmeckt.

Mag meine Handtücher gern kratzig,
ganz ohne all das Weichspülzeug,
wenn man nicht zuhört, werd’ ich patzig,
ich mag kein lautes Kirchgeläut.

Ich höre gerne Weihnachtslieder,
und zwar September bis August,
dann spielt George Michael immer wieder,
mich juckt auch nicht der Nachbarn Frust.

Verspotte ich nun die Autisten?
Ach, wer von uns ist schon normal.
Ich schleppe stille Wasserkisten
und wie man’s nennt ist doch egal.

(L)

Spielhölle in Sendai, Japan(S)

Matsushima Bay

Posted in Gedicht bebildert with tags , , on 14. März 2011 by (L)

Im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang,
du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm.

Du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht.

Du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht.

Die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht,
im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang.

(L)

(S)

Handschuh

Posted in Fotografie betextet with tags , on 22. Februar 2011 by (S)

(S)

Mir fehlt mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
mir fehlt mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf – hey!

Wenn du im Winter durch die Landschaft gehst
und dann ein blauer Fleck im Wind verweht:
Das ist mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
das ist mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf.

Ich wollte immer wissen:
wo geh’n die Kulis hin,
die Socken und Handschuhe,
die ich bei mir nicht find.
Die Frage aller Fragen
Verlust und Recycling,
Das Finden und das Suchen
ergab so wenig Sinn.

Ich ging zum Fundbüro hin,
denn die sind ja vom Fach,
man sagte mir nur höhnisch:
„Nun halt den Ball mal flach.
Das ist doch nur ein Handschuh,
drum mach hier nicht so’n Krach,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
ach je, dass ich nicht lach!“

Hey!

Da kamen mir die Zweifel,
ob ich’s aufgeben sollt,
der Handschuh war von Wolfskin,
und ich hab mich getrollt.
Die linke Hand ist blau nun,
vor Kälte und vor Schmerz,
so blau als wär noch immer
der Handschuh dran – welch Scherz.

Mir fehlt mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
mir fehlt mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf – hey!

Wenn du im Winter durch die Landschaft gehst
und dann ein blauer Fleck im Wind verweht:
Das ist mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
das ist mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf.

(L)

[Mit besten Grüßen an Die Kassierer: Das Leben ist ein Handschuh]

Liste

Posted in Gedicht bebildert with tags , on 14. Februar 2011 by (L)

Dinge von dir, die ich hier bei mir fand:
Ein Tupper, ein Kochbuch, ein Fleck an der Wand,
zwei Socken, nicht passend, daran etwas Sand,
ein Haar in der Dusche, das duschend verschwand.

Drei Reißzwecken und ein Notizblock, liniert,
Radiergummi der nicht radiert, nur verschmiert,
’ne Anzeige: „Zimmer vermietbar, möbliert“
ein Loch in der Decke, nur dürftig kaschiert.

Ein einzelnes Blatt vom Kalender: der März,
ein Stück Schokolade in Form von ’nem Herz
und Staub in den Fugen, das Saugen macht Lärm,
das Herz ist aus Vollmilch, die hab ich nicht gern.

(L)

(S)

Die Betonbank

Posted in Fotografie betextet with tags on 31. Januar 2011 by (S)

(S)

Gegossen aus Beton die Bank,
steht dort wo es nur selten gießt,
im diesig-warmen Steppensand
und wartet drauf, dass etwas sprießt.

Kein Halm umspielt die Beine ihr,
kein Blatt kriegt sie zu sehen,
sehr selten kommt ein Mensch hier her
und wenn, dann bleibt er stehen.

Nur dann und wann kommt für Metall
und Glas und Andres einer an,
der setzt sich seufzend hin und dann
harrt mit der alten Bank ein Mann.

(L)