Wenn du nicht dabei bist,
habe ich ständig das Gefühl,
etwas zu Hause vergessen zu haben.
Wenn du dabei bist,
vergesse ich meine Zahnbürste,
meinen Geldbeutel und die Welt um mich herum.
(L)
Mein Nachbar von oben,
das ist Mister Bean,
die Straße hinunter
da wohnt dann die Queen;
Im Haus gegenüber
- das glaubt ihr mir nie -
lebt mit allen Kindern
die schöne Jolie.
Doch niemandem außer nur mir fällt das auf,
und auch Paparazzies, die bleiben hier aus.
Die Ähnlichkeit ist so
frappierend und klar,
wie könnt ihr das leugnen,
es ist nunmal wahr.
Auch Elvis hat drüben
‘ne Wohnung für sich,
sein Collie, die Lassie,
beißt Postboten nicht.
Doch niemandem außer nur mir fällt das auf,
und auch Paparazzies, die bleiben hier aus.
Nur eines – ich weiß nicht,
wie kann das nur sein -
ich schau in den Spiegel
und seh es gleich ein:
Das ist nicht die Hepburn,
und nicht Kristen Bell…
Das Licht hier im Bad,
das ist einfach zu grell.
(L)
Ich werde langsam zum Autisten,
von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr,
verfasse täglich Einkaufslisten
und diese gleichen sich schon sehr:
Von Uncle Ben’s den Langkorn-Reis,
und Erbsen, Möhren, tiefgekühlt,
als Nachtisch dann Fürst-Pückler-Eis
sind auf der Liste aufgeführt.
Nun weiß ich nämlich, was ich will
und weiß vor allem, was ich mag:
nur Wasser ohne Sprudel, still,
mit ‘nem Kakao beginnt mein Tag.
Ich seh’s nicht ein, mich zu genieren,
- vier Löffel Nesquick, halbbedeckt -
warum sollt ich noch ausprobieren,
wenn ich nun weiß was mir gut schmeckt.
Mag meine Handtücher gern kratzig,
ganz ohne all das Weichspülzeug,
wenn man nicht zuhört, werd’ ich patzig,
ich mag kein lautes Kirchgeläut.
Ich höre gerne Weihnachtslieder,
und zwar September bis August,
dann spielt George Michael immer wieder,
mich juckt auch nicht der Nachbarn Frust.
Verspotte ich nun die Autisten?
Ach, wer von uns ist schon normal.
Ich schleppe stille Wasserkisten
und wie man’s nennt ist doch egal.
(L)
Im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang,
du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm.
Du weißt von dem Bersten, dem Schutt und dem Schlamm,
du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
du weißt, dass ihr Fleisch in den Fluten auch schwamm,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht.
Du weißt von den Schreien in tiefschwarzer Nacht,
die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
wenn unter den Trümmern der Tote noch wacht,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht.
Die Ratten, der Schlick, die Gelenke verdreht,
erst laut und dann leiser, die Nächte so lang,
sie werfen sie weg, der Geruch, der besteht,
im Morgenlicht schließlich der Amsel Gesang.
(L)
Mir fehlt mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
mir fehlt mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf – hey!
Wenn du im Winter durch die Landschaft gehst
und dann ein blauer Fleck im Wind verweht:
Das ist mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
das ist mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf.
Ich wollte immer wissen:
wo geh’n die Kulis hin,
die Socken und Handschuhe,
die ich bei mir nicht find.
Die Frage aller Fragen
Verlust und Recycling,
Das Finden und das Suchen
ergab so wenig Sinn.
Ich ging zum Fundbüro hin,
denn die sind ja vom Fach,
man sagte mir nur höhnisch:
“Nun halt den Ball mal flach.
Das ist doch nur ein Handschuh,
drum mach hier nicht so’n Krach,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
ach je, dass ich nicht lach!”
Hey!
Da kamen mir die Zweifel,
ob ich’s aufgeben sollt,
der Handschuh war von Wolfskin,
und ich hab mich getrollt.
Die linke Hand ist blau nun,
vor Kälte und vor Schmerz,
so blau als wär noch immer
der Handschuh dran – welch Scherz.
Mir fehlt mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
mir fehlt mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf – hey!
Wenn du im Winter durch die Landschaft gehst
und dann ein blauer Fleck im Wind verweht:
Das ist mein blauer Handschuh,
aus Fleece ein blauer Handschuh,
das ist mein blauer Handschuh,
der taut im Frühling auf.
(L)
[Mit besten Grüßen an Die Kassierer: Das Leben ist ein Handschuh]
Dinge von dir, die ich hier bei mir fand:
Ein Tupper, ein Kochbuch, ein Fleck an der Wand,
zwei Socken, nicht passend, daran etwas Sand,
ein Haar in der Dusche, das duschend verschwand.
Drei Reißzwecken und ein Notizblock, liniert,
Radiergummi der nicht radiert, nur verschmiert,
’ne Anzeige: „Zimmer vermietbar, möbliert“
ein Loch in der Decke, nur dürftig kaschiert.
Ein einzelnes Blatt vom Kalender: der März,
ein Stück Schokolade in Form von ’nem Herz
und Staub in den Fugen, das Saugen macht Lärm,
das Herz ist aus Vollmilch, die hab ich nicht gern.
(L)
Gegossen aus Beton die Bank,
steht dort wo es nur selten gießt,
im diesig-warmen Steppensand
und wartet drauf, dass etwas sprießt.
Kein Halm umspielt die Beine ihr,
kein Blatt kriegt sie zu sehen,
sehr selten kommt ein Mensch hier her
und wenn, dann bleibt er stehen.
Nur dann und wann kommt für Metall
und Glas und Andres einer an,
der setzt sich seufzend hin und dann
harrt mit der alten Bank ein Mann.
(L)
Die Uhr zeigt kurz vor zwölf, die Sonne brennt,
die Straße staubt und Buschwerk rollt hindurch,
der Zug fährt ein, heraus steigt – man erkennt’s -
ein Kaffeepflänzchen, und es steigt die Furcht,
der Kapernstrauch ist auch schon lange da
und wer zuerst zieht, ist noch längst nicht klar,
doch dass die Stadt zu klein für beide ist,
das wissen sie, und lang schon gärt der Zwist,
ein Schuss erklingt! ich wache auf und wank
im Halbschlaf in die Küche, find im Schrank
den Kaffee und auch Kapern; gottseidank.
(L)
Am Hafen wohnt die Katzenfee,
die hat zwei Flügel, klein und weiß,
springt hoch und weit, ganz wie ein Reh,
und pupst auch Sternchen noch im Kreis.
Die Küstenkatzen kennen sie
und beten zu ihr Tag und Nacht
denn diese Katzenfee ist die,
die zaubert frischen Fisches Fracht.
Jedoch ist sie nur rar zu sehn,
die Katzenfee, so gelb und weiß,
hängt lieber mit den andren Feen,
und baut den ganzen Tag nur Scheiß.
(L)
Es blaut die Nacht, der Schnee fällt sanft,
mein Opa gibt mir lasch die Hand.
Wir sind drei Stunden hergefahren,
man merkt’s an Brüderchens Gebahren,
ganz dringend muss er jetzt auf’s Klo,
wo Oma sitzt, allein und froh.
Dort singt sie leise Weihnachtslieder,
dem Bruder zappeln schon die Glieder,
es hilft kein Klopfen und kein Rufen,
Papa nimmt Anlauf auf den Stufen
und tritt beherzt die Klotür ein,
von Oma kommt ein spitzes Schrei’n.
Und in der Stube, auf dem Sofa
starrt auf den dunklen Bildschirm Opa.
Ich helfe Mutter, decke Teller,
der Schnee im Garten fällt nun schneller,
und durch die Ritzen dringt ein Brausen,
Mama hat schon den Cognac draußen.
Papa heizt jetzt den Ofen vor
und schiebt die ganze Gans ins Rohr,
als Oma humpelt in die Küche
- die Hose hängt noch um die Knöchel -
und Opa knipst die Glotze an,
und Mutter setzt die Flasche an,
und Oma stolpert auf mich zu,
ich reiß die Messer weg im nu,
schlitz dabei Vaters Ärmel auf,
der brüllt, fasst auf den Ofen drauf,
die Glotze jault und Vater schreit,
die Nacht ist schön und ach… es schneit…
Zwei Stunden später ist’s, wir fahr’n,
mein Vater hält sich stumm den Arm,
im Fond schnarcht Mutter unter Rausch,
mein Bruder weint und schläft dann auch,
ich fahr uns sicher durch den Wald,
den Führerschein, den mach ich bald.
(L)